Ist der Basenji der richtige Hund für mich?

 

Der Basenji erhält in letzter Zeit sehr positive aber auch oft  einseitige Medienaufmerksamkeit, wird er doch als pflegeleichter Modehund dargestellt und von vielen Liebhabern aber noch immer als schwieriger und nicht für Anfänger geeigneter Hund bezeichnet.

 

Die Wahrheit liegt wohl - wie so oft - in der goldenen Mitte. Ich möchte im Folgenden  meine ganz persönliche Meinung aus 13 Jahren Basenjierfahrung - der Erziehung von neun erwachsenen Basenjis und der Aufzucht von 35 Welpen schildern.

 

Ich gebe denen Recht die meinen, der Basenji sei absolut kein pflegeleichter Modehund aber dennoch ist er in meinen Augen deutlich besser als sein "klassischer" Ruf.

 

Die Presse und Publicity die der Basenji erhält ist für die Rasse durchaus positiv und es freut mich, dass sie bekannter wird. Nun sind eindeutig die Züchter gefragt, die den Basenji der interessierten Klientel mit all seinen Vor- und Nachteilen vorstellen müssen und dann vor der Aufgabe stehen die richtigen Besitzer unter den Interessenten wählen zu müssen! Man muss viel Zeit aufbringen um die Familien zu informieren und sich ein Bild machen zu können aber genau das macht einen verantwortungsbewussten Züchter aus.


Das Problem ist nicht der Bekanntheitsgrad der Rasse, sondern die Wahl der Züchter in punkto neuer Familie, wenn der Züchter sagt "sie wollen nen Basenji, na dann überweisen sie mal ne Anzahlung und holen ihn dann ab" dann ist alles im Argen.


Sicherlich wird eine hohe Publicity ein größeres Problem erzeugen - die Freizucht (Züchter die keinem oder einem Verein außerhalb der FCI angegliedert sind). Das ist einfach so und auch da müssen Verein und Züchter einfach durch eigene Medienpräsenz  verantwortungsbewusste Aufklärung leisten und mehr bieten als die Freizüchtler. Konkurrenz kann man sich gerne wegwünschen aber das funktioniert nicht und man muss einfach das Heft in die Hand nehmen und mehr leisten und anbieten können. Dabei stelle ich auf Fachkenntnisse genauso ab, wie auf Begleitung der neuen Besitzerfamilien vor dem Wurf und nachher ein Hundeleben lang.


Es ist unrealistisch sich zu wünschen, das jeder Käufer weiß das so mancher Freizüchtler oft weit unter jeglichem Zuchtstandard vermehrt, keinerlei Gesundheitsuntersuchungen vornimmt, Inzuchtverpaarungen vorkommen, es dort meist keine Wurfkontrollen gibt, die Mutterhündin nicht in der Wurfanzahl beschränkt ist und so meist einfach Geld geschäffelt werden soll.


Aber auch im Vereinsleben sollte gelten, dass  eine verantwortungsbewusste Zuchtplanung das A und O ist um gute neue Familien finden zu können. Das ganze Jahr begleiten wir potentielle Interessenten zu ihrem Basenjiwunsch, haben immer wieder interessierten Besuch, halten Welpentreffen ab und sind immer mit Rat und Tat da auch für Leute die noch keinen Basenji oder Hunde aus fremder Zucht haben und einfach einmal einen Ratschlag benötigen. Wir sind der Rasse mit Herz und Seele verfallen und möchten diese Freude auch anderen Menschen bieten können - darum züchten wir!


Wir sind der Überzeugung, das Publicity gut und notwendig ist. Die Verantwortung entsprechende Aufklärung zu leisten und eine qualitativ hochwertige Zucht zu bieten liegt bei den Züchtern und dem Verein.

 

Hinzu kommt,  dass wir über die Jahre feststellen konnten, das gerade Hundeneulinge manchmal den besseren "Draht" zu den Basenjis haben, da sie vollkommen offen und ohne jegliche bewusste oder unbewusste Erwartungshaltungen oder eingefahrenen Erziehungs- und Verhaltensmuster mit der Herausforderung Basenji umgehen, sich also besser auf ihn einlassen können. Immer vorausgesetzt, das sie umfassend und über alle Facetten informiert wurden. Für routinierte Hundehalter bedeutet der Wechsel zu einem Basenji oft eine unerwartete Umstellung und eine daraus resultierende Notwendigkeit umzulernen und einen neuen Ansatzpunkt in Erziehung und Bindungsaufbau zu finden.

 

Bleibt nur noch eine Frage - Warum also ein Basenji?

 

Ich finde es immer recht befremdlich zu lesen, wie schlimm doch die Basenjis sind, das man aber einen tollen Begleiter hat wenn man mit einem schreienden, alles zerstörenden, jagenden, konstant an der Leine zerrenden Energiebündel leben kann.

Wenn  ich einige Statements zur Rasse lese kommt es oft wie oben geschildert rüber und ich frage mich - warum haben wir eigentlich so schlimme Hunde, sind wir alle Masochisten? Selten wird auf die positiven Seiten abgestellt. Er ist vergleichsweise pflegeleicht was die Hygiene betrifft. Er kläfft nicht - er weint und schreit nur wenn er nicht ordentlich erzogen ist.

Man muss sich das nur auf den Ausstellungen anschauen, alles bellt und macht und tut nur die Ecke mit den Basenjis ist ruhig.

Ja sie jagen, wie ca. 50% aller Rassen wenn nicht mehr. Ich habe einmal eine Frau getroffen der vom Basenji abgeraten wurde und die jetzt einen großen Jagdhund hat und gut mit ihm zurecht kommt! Na, also aufwändiger als so manch andere Rasse in Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf sind unsere Basenjis nun wirklich nicht. Nie würde ich meinen Basenji - der schon mal extrem anstrengend sein kann - eintauschen. Ich habe keine Lust auf jagdliche Führung und der Basenji ist eine kleine kompakte Rasse, der man auch so gut die Bewegung die er braucht bieten kann.

Zum Thema Jagen am Beispiel meiner eigenen Hunde: Amber ist ein Jäger und man kann sie fast nirgendwo ableinen, Aragorn jagt Autos - kein Wild - eine extrem gefährliche Angewohnheit und er kann nur fernab aller Straßen abgeleint laufen, obwohl er recht gut hört aber das Risiko ist einfach zu groß. Troy jagt ausschließlich Vögel, die auffliegen und dann eben weg sind. Demian und Casia jagen gar nichts. Sie laufen nicht mal auf der Rennbahn oder beim Coursing hinter dem Lure her.

Nächster Punkt: Der Basenji ist klein, man und auch Frau kann ihn leicht tragen, festhalten etc. Für mich galt früher immer "ein richtiger Hund fängt bei Schäferhund-Größe an", Unsinn habe ich feststellen müssen, nicht nur Unsinn sondern eine grobe Fehleinschätzung, was mach ich denn wenn mein Hund mitten im Wald einen Unfall hat? Wie trage ich dann alleine einen 40kg Hund nach Hause oder zum Auto?

Wohnungshund? Absolut ja aber nur mit ausreichender Bewegung - ganz wie bei jeder anderen Rasse! Der Basenji ist ein toller Wohnungshund, er riecht nicht - man kommt hier rein und trotz sechs Hunden merkt man nichts! Ein gigantischer Vorteil anderen Rassen gegenüber, einer den ich nie missen wollen würde. Man streichelt die Basenjis und die Finger riechen nicht.

Zum Leinenziehen - ja Aragorn renkt mir fast täglich die Schulter aus - nein, alle anderen machen das nicht! Sie gehen vor mir mit leichtem Zug auf der Leine aber ich habe nachher keinen Muskelkrampf. Casia und Demian laufen super gut an lockerer Leine mit. Selbst am Kinderwagen sind sie gute Begleiter.

Bei der Aufklärung von Interessenten ist es Standardprogramm die Nachteile der Rasse aufzuführen um einfach klar zu machen, womit man im Extremfall zu rechnen hat. Aber ich muss sagen, dass manche Basenjis (je nach Linie und Prägung) komplett andere Charaktere zeigen, sehr sanft und umgänglich sein können dabei aber immer sehr viel Energie und Bewegungsdrang haben.

Casia und Skadi sind solche Basenjis - sie sind vollwertige Basenjis und echte Energiebündel, nur nicht ganz so stur und dadurch leichter zu erziehen, zudem geht ihnen der Jagdtrieb fast ganz ab. Es kann sein das manch ein Züchter das als "Verweichlichung" der Rasse betrachtet aber den Charakter in der Zucht außer Acht zu lassen ist meiner Meinung nach ein Versäumnis - dieser Ansicht scheint ja auch der VDH zu sein, denn es gibt eine neue Richtlinie nach der für  jede Rasse ein Charakterprofil erstellt werden muss und ein Wesenstest vor Zuchtzulassung verlangt werden wird, das den Eigenarten der jeweiligen Rasse angepasst ist aber immer ein Ziel vor Augen hat - aggressive Hunde aus der Zucht auszuschließen.

Wir versuchen dies in unserer Zucht mehr in den Vordergrund zu stellen und etwas umgängliche aber rassetypische Basenjis zu züchten. Fremden gegenüber scheu ist keiner meiner Hunde, vielmehr jodeln und wedeln sie jeden an, der zu Besuch kommt und liegen nach wenigen Minuten zum Streicheln bei den Leuten auf dem Schoß und sollten sie weniger Jagen - sehr gut - bin ich extrem happy mit, denn wir leben in Deutschland nicht dem afrikanischen Busch. Niemand will aus dem Basenji einen Pudel machen aber Aggression, Scheue und Jagdtrieb sind - zumindest in unserer Zucht - unerwünscht und sollen über die nächsten Generationen verbessert werden, wobei es länger dauern wird da Gesundheit und Typ eben genauso wichtig sind und unbedingte Beachtung erfordern.

Zu überlegen wäre eventuell noch eine Art Leistungszucht aufzubauen, die dann ein spezielles Augenmerk auf den Basenji als Lure-Coursing Rasse legen würde aber dafür müssten die Basenjis offiziell - wie im Ausland oft schon üblich - vom DWZRV anerkannt und zugelassen werden, sonst würde dies wenig Sinn machen.

Langer Rede kurzer Sinn - Hier meine pro und contra Liste:


pro:


- der Basenji ist wunderschön, edel und elegant

- er hat Charakter und keiner ist wie der Andere

- tut gerne mal seine eigene Meinung kund, ordnet sich bei entsprechender Erziehung wieder schnell wieder ein/unter

- ist sehr instinktsicher und die Hündinnen sind großartige Mütter

- er ist sehr gesund und robust

- läuft meist akzeptabel an der Leine

- ist für Hundesport (Cousing, Agility, Obedience) gut bis sehr gut geeignet

- bis ins hohe Alter fit

- sportlich

- unglaublich liebevoll, kuschelig und anhänglich im Haus

- ein toller Familienhund (entgegen seinem Ruf auch super mit Kleinkindern, wenn die Eltern verantwortungsvoll handeln und die extra Zeit und Muße aufbringen)

- haart wenig, ist pflegeleicht (regelmäßige Krallenkontrolle; Zähneputzen einmal die Woche und Bürsten, besonders im Fellwechsel; Baden wenn mega dreckig - normal reicht es nach einem Spaziergang die Pfoten abzuduschen)

- riecht nicht

- bellt nicht, bzw. schlägt nicht an

- ist dennoch wachsam

- hat Witz und Elan, genauso wie Würde und Adel

- hält einen auf Trab

- ist intelligent und überrascht einen mit seinen Ideen jeden Tag aufs Neue

- ist voller Lebensfreude und einfach ein tolles Familienmitglied

- liebt Sonne und gutes Wetter, ist daher im Sommer aktiver und lieber draußen und im Winter eher ruhig und sehr zufrieden mit einem Platz am Ofen

- hat eine optimale Größe

contra:

- braucht viel Bewegung (wie bei fast jeder anderen Rasse)

- hat extrem viel Energie und gerne mal wilde 10 Minuten jeden Tag, was einen schon mal überfordern kann, da sie gerade als Welpen dann kaum zu bändigen sind  - in solchen Fällen muss man konsequent auf den Welpen einwirken und ihn eben ausreichend auslasten

- wollen bei schlechtem Wetter nicht sehr gerne raus und erfordern einiges an Geduld als Welpen um sie aus dem Haus und stubenrein zu bekommen - ist man da konsequent (alle zwei Stunden Gassi, die Nacht schlafen sie meist durch) und hat der Züchter Vorarbeite geleistet sind sie in ca. zwei Wochen rein

- macht Sachen kaputt wenn nicht ausgelastet (wie viele andere Rassen)

- schreit wenn er alleine bleibt ohne dafür geprägt zu sein (wie jede andere Rasse, die den ganzen Tag bellen oder weinen würde)

- zieht an der Leine (wie jeder andere unerzogene Hund) - entgegen anderen Rassen lernen sie es oft auch mit Konsequenz nicht richtig bei Fuß zu gehen, da sie zu neugierig sind und bei Fuß an der Leine laufen eben doof finden und lieber überall schauen wollen

- kann erwachsen (ab dem 2. - 3. Jahr) anderen Hunden gegenüber dominant sein - was auch eine gute Sozialisation manchmal nicht vollständig dämpft, dabei muss man aber bedenken das Basenji so gut wie nie kastriert sind und andere Rassen auch so reagieren würden für diesen Fall; dann werden sie oft im Rudelverband gehalten, was sie fremden Hunden gegenüber nicht freundlicher und offener macht, zudem sind sie oft nur an der Leine was sich auch negativ auswirken kann

- manche Basenjis müssen an der Leine bleiben, weil sie einen extremen Jagdtrieb entwickeln (wie viele andere Hunderasse auch), man kann sie aber für einen solchen Fall gut am Fahrrad bewegen, mit ihnen Joggen oder sie auf der Rennbahn (meist komplett eingezäunt) laufen lassen

---> Es lässt sich leicht erkenne, das die meisten negativen Eigenschaften erworben und nicht rasseimmanent sind. Fehlen Konsequenz und/oder Einfühlungsvermögen so wird fast jeder Hund schwierig zu halten sein. Der Basenji fordert viel aktive Beschäftigung  ein, da er sehr viel Energie und Bewegungsdrang hat. Mit seinen optimalen Gebäudelinien und seiner robusten Gesundheit ist und bleibt er ein Athlet, der sein wölfisches Erbe als Lauftier voll ausleben will und muss um zufrieden zu sein. Wird diese Grundanforderung befriedigt wird er sich zu Hause friedlich aufs Sofa, ins Bett oder vor den Ofen kuscheln und glücklich schlummernd von seinem wundervollen und eindrucksintensiven Tag träumen.

Fazit:

Der Basenji ist ein charakterstarker und liebevoller Begleiter, der sich gut erzogen, geprägt, sowie körperlich und mental ausgelastet  als wundervoller Familien- und Begleithund und bei entsprechendem Zeitaufwand und Einfühlungsvermögen auch als toller Sporthund zeigt. Er ist traumhaft schön, elegant und intelligent. Er ist aber kein Haustier sondern ein vollwertiges Familienmitglied, das viel Zeit, Liebe, Konsequenz und Verantwortungsbewusstsein fordert, da es ein Lebewesen mit Bedürfnissen ist und kein Spielzeug oder Dekoobjekt. Ist man sich darüber im Klaren wird man seinen Basenji nie mehr missen wollen.

If it ain´t a Basenji - it is just a dog.

 

 

 

B
is for Barkless, but not really mute.
They chortle and yodel, mutter and growl
I think they could talk if they ever learned how.


A
is for Agile, graceful and quick.
They jump like a deer and play like a cat.
Who ever heard of a dog acting like that?

S
is for Stubborn, yes they do have a streak.
They´ll coax and they´ll bully till they get their own way.

E
is for Entertaining, they´re all hams at heart.
Ask them to play and they´ll act like a clown.
Tell them to heel and they´ll sit down and frown.

N
is for Neat, a must in themselves.
They groom till each hair is in place.
If they think that you need it, they´ll come wash your face.

J
is for Jungle, native and huts.
On the tombs of the Pharoahs their pictures are found.

I
is for Me.
An owner possessed. I feed and I doctor, I worry and care.
And that doggone Basenji knows, when he calls, I´ll be there.
 
Jeraldeen Crandall 1967
 


 

 

Der Basenji pro und contra